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OM - KNUSPRIGE ENTE IN KOKOSBUTTERMILCHSAUCE

(VON TISCH ZU TISCH, DER TAGESPIEGEL, 10.09.2006)

Das nepalesisch-berlinisch-indische Team im noch relativ jungen Restaurant Om ist von umwerfender Freundlichkeit. Nicht reserviert? Die jungen Kellner lassen nur den Hauch eines Stirnrunzelns erahnen, während die Blicke durch den gut gefüllten Innenraum wandern. Als sie merken, dass wir lieber draußen sitzen möchten, schleppen sie uns rasch zwei Stühle unter einen Baum. Dort warten wir, bis einer der Tische frei wird. Guter Einstieg. Es folgt das Bekenntnis, dass Glutamat tabu sei, schon wegen der ayurvedischen Weisheit, dass der Körper der Tempel der Seele ist.

Vielleicht ist es die Herzlichkeit vieler kleiner Gesten, die das Restaurant trotz seiner einfachen Einrichtung auf Anhieb sympathisch erscheinen lässt: Einige dezent verteilte folkloristische Einsprengsel und frische Blumen in kleinen Vasen muntern das Ambiente etwas auf.

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Zum „Papadam“ (0,50 Euro), dem knusprigen Fladenbrot aus Bohnenmehl, gibt es dreierlei Saucen, eine kräutrig, eine fruchtig und eine irgendwo dazwischen. „Kwati“, die dünne Suppe mit neun verschiedenen Bohnen, Kräutern und nepalesischen Gewürzen schmeckt wie ein frischer Lufthauch an einem warmen Tag (2,80 Euro). Die gebackenen Gemüsebällchen erweisen sich als kleine Fladen nach der Art von Reibekuchen, enthalten Gemüse, sind dankenswerterweise gar nicht fett, und Salat ist auch dabei (3 Euro). Köstlich ist die knusprige Ente in Kokosbuttermilchsauce. Sie ist nur überhaupt nicht knusprig. Warum das so ist, hat der nette Kellner aber schon bei der Bestellung erklärt: Sie wird knusprig gebraten, verliert diesen Status allerdings, sobald sie mit der Sauce übergossen wird. Korrekt müsste es also heißen, knusprig gewesene Ente. Egal, die Sauce ist ein Hit, auch dazu gibt es Salat mit sicher gut gemeinten, wenn auch überflüssigen Filets von der Dosenmandarine. Und eine Schüssel mit duftendem Basmatireis (7,90 Euro).

Eine ganz andere, schärfere Note haben die feuerroten Lammfleischwürfel mit frischen Paprika, Tomaten, Zwiebeln und weiteren nepalesischen Aromen. Der Umgang mit Kräutern und Gewürzen ist hier ebenso kreativ wie großzügig, das wertet die Küche auf. Die Portionen sind maßvoll gehalten. Es macht ja auch den Gästen mehr Spaß, wenn sie mit Lust alles aufessen können. Auf diese Weise kommt ein Preis-Leistungs-Verhältnis zustande, das man als angenehm bis erstaunlich günstig einstufen muss. Kein Wunder, dass es so voll ist.

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Noch eine nette Geste zum Schluss: Die nepalesische Joghurtspezialität mit Zimt, Kardamom, Kokosraspeln und Mandeln und Duft nach Ferne, Exotik und noch zu erstürmenden Gipfeln gab’s in kleinen Probierportionen auch gratis für dessertabstinente Gäste. Für die lieben Kleinen gibt’s den lustigen „Yeti-Teller“ mit Gemüse in milder Currysauce. Patent ist auch die Getränkeauswahl: mehr Biersorten als Joghurt-Drinks und eine akzeptable Auswahl an offenen, inklusive indischen Weinen. Den Chianti (0,2l= 2,90 Euro) können wir eher empfehlen als den Bordeaux (0,2l = 2,75 Euro).

Nach zehn Uhr wurden wir unvermittelt, aber sehr charmant ins Lokal gebeten. „Die Kinder müssen schlafen“, sagte der Kellner und deutete auf ein Zimmer in einem der oberen Stockwerke. Wie heißt das Zauberwort? Flexibilität!

Elisabeth Binder

 

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